Was ist IPSC?

 

Allgemein

IPSC ist die Abkürzung für International Pracital Shooting Confederation, die der Träger der gleichnahmigen internationalen Schießsportdisziplin ist. Diese Disziplin wird in Deutschland durch den BDS repräsentiert und wird inzwischen in 89 Ländern weltweit geschossen (siehe Bild). Ursprünglich 1976 als praktisches Schießen unter dem Motto Diligentia, Vis, Celeritas (lateinisch für Präzision, Kraft und Schnelligkeit) begonnen, wandelte sich diese Disziplin schnell zu einer rein sportlichen dynamischen Disziplin, bei dem es auf äußerste Balance zwischen Kopf und Körper ankommt.
 

IPSC-Regionen
 

Der Schütze beschießt mit einer i.d.R. großkalibrigen Waffe in einem festgelegten Parcours in unterschiedlichen Entfernungen verschiedene Ziele (Papp- oder Stahlscheiben). Als Ergebnis werden die Trefferpunkte durch die benötigte Zeit geteilt und so ein sogenannter Hitfaktor ermittelt, der für die Wertung maßgeblich ist. Es ist also eine möglichst hohe Präzision für maximale Punktezahl, ein möglichst schneller Parcourdurchlauf für einen kleinen Teiler und jede Menge Kraft für den Umgang mit einer großkalibrigen Waffe und natürlich die physischen Widrigkeiten (z.B. tief liegende Schußöffnungen) nötig um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Da auf den meisten Parcours die Order "Ziele sind beliebig, sobald sie sichtbar werden, zu beschießen" ausgegeben wir kommt es zusätzlich auf die richtige Strategie an. Wie wird ein Parcours möglichst optimal absolviert? Hierzu kann der Schütze nach dem Briefing für 3 Minuten den Parcours durchlaufen (Walkthrough) und sich eine für ihn günstige Strategie zurechtlegen und alle Ziele und die günstigsten Magazinwechselpositonen einprägen. Anschließend erfolgt der Wertungsdurchlauf, der nach strengsten Sicherheitsregeln erfolgt.

Sicherheit

Sicherheit ist das oberste Gebot beim IPSC - schließlich handhaben wir echte und geladene Schußwaffen! Um überhaupt IPSC schießen zu können muss der Schütze einen Sicherheits- und Regeltest (SuRT) absolvieren und bestehen. Hier wird das theoretische Wissen um sicherheitsrelevante und auch allgemeine Teile des Regelwerkes, sowie der sichere Umgang mit der Waffe in einer theoretischen und praktischen Prüfung verifiziert. Das Regelwerk des ISPC definiert strenge Sicherheitsvorschriften, z.B. wann und auf welche Kommandos die Waffe geladen werden darf oder wie eine sichere Schußabgabe erfolgen muss. Jeder Parcours endet mit den Kommandos "if you are finished, unload and show clear" auf das der Schütze die Waffe entlädt und dem Rangeofficer (RO) das leere Patronenlager zeigt und dem "if clear, hammer down, holster!", worauf der Schütze die entladene Waffe in Richtung Kugelfang hält und den Schlagbolzen abschlägt und die Waffe holstert. Erst jetzt ist die Sicherheit hergestellt, was der RO mit dem Kommando "range is clear" kundtut. Im gesamten Bereich des Schießstandes ist die Waffe nur beim direkten Parcourdurchlauf geladen und schußbereit. Ein Verstoß gegen eine der Sicherheitsregeln führt stets zur sofortigen Disqualifikation.

Klassen

IPSC wird in verschiedenen Klassen, den Divisions geschossen. Es gibt die Production-, Standard-, Classic, Open- und Revolver-Division, die sich aus den verwendeten Waffenarten ergeben. Da verschiedene Waffen sehr unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich Magazinkapazität, Visierung oder Rückschlagverhalten haben sorgt die Klassifizierung in Divisions für gerechte Wertung bei Verwendung verschiedener Waffentypen. So ist z.B. die Classic Division für klassische Waffen im 1911er Stil mit einreihigen Magazinen geschaffen worden um den Nachteil der geringen Magazinkapazität auszugleichen. In der Production Division dürfen nur original erhältliche Waffen geschossen werden, wie sie beispielsweise auch bei staatlichen Organen im Einsatz sind. Die zugelassenen Waffen stehen auf einer Freigabe-Liste und dürfen nur geringfügig mit original Zubehör modifiziert werden, während in der Open Division nahezu alle Modifikationen erlaubt sind. Diese Waffen verfügen dann in der Regel über eine Leuchtpunktvisierung und Compensator um eine schnelle Zielerfassung bei minimalem Hochschlagen der Waffe zu erreichen. Alle anderen Selbstladepistolen mit offener Visierung werden in der Standard Division zusammengefasst. Hier ist eine Begrenzung der Außenmaße (Kastenregel) als wesentliche Regel definiert.
Die genauen Regeln für IPSC finden sie unter: http://www.ipsc.de/ipsc-regelwerk/
IPSC wird, mit Ausnahme der Production Division, je nach Geschossenergie in den Wertungsklassen Minor und Major geschossen. Für die Majorwertung muss das Geschoss einen Faktor von mindestens 170 (160 in der Open Division) haben. Die Trefferzonen der Targets werden dann A=5, C=4 und D=2 Punkte gewertet, während es in der Minorwertung A=5, C=3 und D=1 Punkte gibt. Der Mindestfaktor für die Minorwertung beträgt 125. Der Faktor errechnet sich aus dem Geschoßgewicht (Grain) multipliziert mit der Geschoßgeschwindigkeit (Fuß pro Sekunde) geteilt durch 1000. In der Production Division wird nur Minor gewertet, da das verwendete Kaliber 9mm in der Regel nicht den Major-Faktor erreichen kann.

Öffentliche Wahrnehmung

IPSC wird in der öffentlichen Berichterstattung häufig negativ dargestellt und abwertend als "Ballersport" bezeichnet. Auch die Nähe zu Amoktaten oder Missbrauch großkalibriger Waffen wird regelmäßig hergestellt. Wir haben lange über ein Statement hierzu an dieser Stelle nachgedacht und uns die Frage gestellt wofür wir uns eigentlich rechtfertigen sollten oder gar müssten. Nein, wir müssen uns für nichts rechtfertigen!

Dennoch möchten wir unser offenes Statement hierzu nicht vorenthalten:
Jeder IPSC-Schütze, der "ballert" kann nur miserable Ergebnisse erzielen. Es geht ja schließlich um Trefferpunkte, die mit schlecht gezielten Schüssen nicht erreichbar sind. Ohne Punkte ist auch die beste Zeit wertlos, denn wenig geteilt durch wenig ist immer noch wenig. Die üppigen Strafpunkte für das Verfehlen eines Zieles erziehen ziemlich drastisch zu Präzision. Egal wie man es dreht und wendet - es geht um die perfekte Balance zwischen Präzision, Kraft und Schnelligkeit was ja bereits durch das Motto Diligentia - Vis - Celeritas ausgedrückt wird. Mit anderen Worten: es geht um Hochleistungssport! Was die vermeintliche Nähe zu kriminellen Taten betrifft können wir die ausufernde Phantasie von Kritikern nicht im Geringsten nachempfinden. Jeder Waffenbesitzer weist durch uneingeschränkte Auskunft aus dem Bundeszentralregister, dem Verfahrensregister und Auskunft der örtlichen Polizei seinen erstklassigen Ruf als gesetzestreuer Bürger nach. Der leiseste Zweifel führt zum Widerruf der Zuverlässigkeit, also zum Verlust der waffenrechtlichen Erlaubnis. Zusätzlich schränken wir Sportschützen automatisch und freiwillig Artikel 13 des Grundgesetzes (Unverletzlichkeit der Wohnung) ein und gewähren den Behörden jederzeit Zutritt zu unseren Wohnungen um die gesetzlich vorgeschriebene, sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition zu überprüfen. Man könnte auch ketzerisch die Behauptung aufstellen, wir seien gesetzestreuer und transparenter als der waffenlose Rest der Bevölkerung. Warum sollte also ein rechtschaffender Sportschütze sein bisheriges Leben ändern und sich auf die schiefe Bahn begeben? Das ist wirklich nicht nachvollziehbar, zumal uns unser Hobby zu ausgeglichenen und zufriedenen Menschen macht.

Merke: die Motivation zur Nutzung einer Waffe macht den kleinen aber wichtigen Unterschied - ein Dönerverkäufer wird ja schließlich auch nicht als potentieller Killer gesehen weil er ein langes und scharfes Messer benutzt. Warum also müssen so viele grundsolide Sportschützen diese Intoleranz bei der Ausübung dieses faszinierenden Hobbies erleben?
 

Bilder

IPSC-Target
Papiertarget mit Trefferzonen A, C, D

 

Plate
Plate - 5 Punkte nach Umfallen

 

IPSC-Target
Turner (Disappearing Target), ausgelöst durch Plate

 

Nahkugelfang
Zwischenkugelfang - ermöglicht interessante Stagevariationen